NIDDEN UND DAS MODERNE LITAUEN
Vernissage
Nidden, heute Nida, liegt auf der Kurischen Nehrung, einer schmalen Halbinsel zwischen Ostsee und Kurischem Haff. Hohe Dünen, lichte Wälder, Wind, Wasser und ein besonderes Licht prägen die Landschaft, die seit Jahrhunderten Menschen in ihren Bann zieht. Einst schwer zugänglich und Teil einer wechselvollen Grenzregion, wurde Nidden zu einem Ort, an dem sich unterschiedliche Sprachen, kulturelle Traditionen und nationale Perspektiven begegneten.
Ab dem späten 19. Jahrhundert entwickelte sich Nidden zu einem Anziehungspunkt für Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichen Ländern. Hunderte Kunstschaffende kamen hierher, um die besondere Landschaft und das Licht der Kurischen Nehrung zu erleben und künstlerisch zu verarbeiten. Trotz der politischen und gesellschaftlichen Umbrüche des 20. Jahrhunderts hat Nidden/Nida seine Bedeutung als Ort der Kunst und Kreativität bis heute bewahrt.
Lange hielt sich in Deutschland die Vorstellung, die Künstlerkolonie von Nidden sei mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1944/45 endgültig untergegangen. Ein genauerer Blick auf die Geschichte zeigt jedoch ein anderes Bild: Bereits 1946 arbeiteten wieder erste litauische Malerinnen und Maler vor Ort. Die künstlerische Auseinandersetzung mit der Landschaft setzte sich damit fort und wird bis heute in Nida lebendig gehalten.
Die Flensburger Ausstellung nimmt diese vielschichtige Geschichte in den Blick und eröffnet neue Perspektiven auf Nidden/Nida. Mit Leihgaben aus litauischen Sammlungen rückt sie nicht nur die Geschichte der Künstlerkolonie in den Fokus, sondern auch das moderne Litauen als lebendigen Träger eines europäischen Kulturerbes von besonderem Rang.